Sonntag, der 26. Februar 2012

„Kleine Handwerker von heute sind die Fachkräfte von morgen“

Landesverbandstagung der Unternehmerfrauen setzt 2012 neue Schwerpunkte in der Nachwuchsgewinnung

„Früh übt sich, wer ein Meister werden will!“, unter diesem Motto begrüßte Heidi Kluth, Vorsitzende des Landesverbandes Unternehmerfrauen im Handwerk Niedersachsen (UFH) im hohen Norden im Hotel Dorf Wangerland anlässlich der Landesverbandstagung 2012 über 100 Unternehmerfrauen und Gäste aus allen Teilen des Landes. Bei einer gut laufenden Konjunktur im niedersächsischen Handwerk wird nicht die Auftragsgewinnung, sondern die Suche nach qualifizierten Handwerkern in Zukunft zunehmend zum Engpass! „Gute Handwerker haben somit optimale Zukunftschancen.“ 

Das Handwerk muss im Zuge des demographischen Wandels deutlicher nach außen kehren, welche tollen Berufe zum Handwerk gehören, wie viel Spaß es macht, mit eigenen Händen und mit eigenen Ideen in kleinen und mittleren Handwerksunternehmen zu arbeiten und nicht zuletzt muss klar sein, welche hohe Bedeutung eine qualifizierte Ausbildung im Handwerk hat! „Früh übt sich, wer ein Meister werden will!“ Früh, sehr früh, d.h. – so Kluth - schon in den Kindergärten. Vor Ort sind die Unternehmerfrauen im Handwerk sehr gut aufgestellt, sie haben den Zugang zu Kindern, sie kennen Kindergärten vor Ort, sie können Vorlesestunden und Spiele mit handwerksrelevanten Inhalten anbieten und ihre Betriebe für Betriebsbesichtigungen öffnen. Im Sinne von „Früh übt sich“! können Unternehmerfrauen verstärkt helfen, früh bei mehr Kindern Begeisterung für das Handwerk und für „Meisterleistungen“ zu wecken. 

Das ist nicht nur wichtig für das Handwerk. Es ist nach Einschätzung von Kluth auch volkswirtschaftlich von großer Bedeutung. Bei dem in den letzten Jahren zunehmenden Trend zu den Gymnasien, also zum Abitur und zur akademischen Laufbahn ist eine wachsende Verengung auf eine Schullaufbahn festzustellen. Eltern kann man keinen Vorwurf machen, denn sie wollen das „scheinbar Beste“ für ihr Kind! Einer Politik, die das allerdings einseitig unterstützt, kann ein Vorwurf gemacht werden. Wer die Entwicklungsfähigkeit eines Landes ausschließlich an dessen Abiturienten- und Hochschul-absolventenzahl misst, ist nach Auffassung der Spitzenvertreterin der Handwerksfrauen auf dem Holzweg. Das zeigt sich gerade jetzt sehr deutlich! So liegt die Jugendarbeitslosigkeit in Deutschland bei unter 10%, während sie in Großbritannien bei 20%, in Frankreich bei 23%, in Italien bei 28% und in Spanien bei deutlich über 40% liegt. Gleichzeitig weisen aber alle diese genannten Länder höhere Studierquoten aus. 

Mehr als die Hälfte der Schulabgänger erlernen in Deutschland ihren Beruf im dualen System, betont Frau Kluth. Und damit ist Deutschland bisher gut aufgestellt gewesen. Ein immer wieder - von der europäischen Ebene gefahrener Angriff - auf die Qualifikationsstandards im deutschen Handwerk ist aus der Sicht der Unternehmerfrauen der völlig falsche Weg! Wir - und damit ist die deutsche Politik ausdrücklich eingeschlossen - müssen auf europäischer Ebene den Mut haben, unsere Stärken zu verteidigen und nicht im Zuge europaweiter Regelungen aufzugeben. Dazu zählt ein starkes Handwerk!

Für viele Kinder, davon zeigt sich die Handwerksvertreterin überzeugt, ist eine spätere Ausbildung im Handwerk der richtige Weg, vielleicht der bessere als der, den viele Eltern sich als den „scheinbar besten“ vorstellen. Hieran wollen die Unternehmerfrauen aus dem Handwerk anknüpfen und schon früh, nämlich in den Kindergärten, Begeisterung für handwerkliches Arbeiten wecken und ihre Betriebe verstärkt fürs Sehen, Hören, Anfassen, Fühlen oder auch Schmecken öffnen. Dass Kinder unterschiedlich lernen und unterschiedliche Fähigkeiten haben, unterstreicht Frau Prof. Marquardt Mau von der Universität Bremen in ihrem Festvortrag während der Landesverbandstagung ausdrücklich und bestärkt die Unternehmerfrauen in ihrem Vorhaben, in der Nachwuchsgewinnung früh neue Schwerpunkte zu setzen.