Freitag, der 28. September 2012

„Handwerksnachwuchs zwischen Anforderungen und Fähigkeiten“

Unternehmerfrauen aus dem Handwerk diskutieren mit Politikerinnen beim 4. Runden Tisch Der Runde Tisch bildet einen Kernbestandteil des Projektes „Wir rücken der Politik auf den Pelz“, einer Initiative des Landesverbandes für mehr politisches Engagement von Unternehmerfrauen im Handwerk. Er wurde 2009 ins Leben gerufen und wird als Erfahrungsaustausch zwischen Politikerinnen der ver-schiedenen Parteien und den Unternehmerfrauen einmal im Jahr in Hannover durchgeführt.

Hannover. „Der wirtschaftliche Fortschritt eines Landes lässt sich nicht isoliert an der Zahl seiner Hochschulabsolventen messen, wie man zum Teil in der öffentlichen Diskussion den Eindruck gewinnen könnte! Mehr als die Hälfte der Schulabgänger erlernen in Deutschland ihren Beruf im dualen System. Das hat sich mit Blick auf die wirtschaftliche Entwicklung gerade auch in der Wirtschaftskrise für unser Land bewährt, betont Heidi Kluth, Vorsitzende des Landesverbandes der Unternehmerfrauen im Handwerk im Rahmen der Begrüßung zum vierten Runden Tisch, am 28.09.2012 im Leibnizhaus in Hannover. „Im Zuge des demographischen Wandels werden sich die Ausbildungsbetriebe des Handwerks verstärkt um ihren Nachwuchs bemühen müssen, allerdings ist auch die Politik gefordert!“

Zu Themen, wie Gleichbehandlung von beruflicher und akademischer Bildung, Einführung einer umfassenden Berufsorientierung speziell auch an den Gymnasien, Reduzierung der Schulabbrecherquoten in den allgemeinbildenden Schulen und Rückführung des sog. Übergangssystem, welches aus der Sicht des Handwerks junge Menschen häufig einfach in einer Warteschleife hält, stellten sich Frau Gisela Konrad, MdL, CDU, Frau Almuth von Below-Neufeld MdL, FDP, Frau Gabriele Lösekrug-Möller MdB, SPD, sowie Frau Anja Piel, Landesvorsitzende Bündnis 90/Die Grünen. Obgleich gemäß den Rückmeldungen der Unternehmerfrauen noch nicht in allen Gewerken ein Ausbildungsengpass festzustellen ist, wie z.B. bei den Mediengestaltern oder Zahntechnikern, wird bei der Mehrheit der Chefinnen im Handwerk die Sorge um die zukünftige Fachkräfteversorgung deutlich. 

„Mit der Imagekampagne des Handwerks sollen junge Menschen auf die Vielfalt und Chancen einer Berufsausbildung im Handwerk aufmerksam gemacht werden. Häufig fehlt aber bei jungen Menschen die „Grundliebe“ zu handwerklichen Arbeiten und Leistungen. Sie wurde ihnen nicht vermittelt“, betont Kluth. „Zudem fehlt teilweise auch die Freude und die Begeisterung, etwas leisten zu wollen.“ An dieser Stelle haben – darüber herrscht im Teilnehmerkreis Einigkeit– die Elternhäuser Vorbildfunktion. Nicht immer sind aber die erforderlichen Voraussetzungen für die jungen Menschen gegeben. Dann sind schon früh die Kindergärten und im Weiteren die Schulen wichtige Anlaufstellen, die mit den erforderlichen pädagogischen Fachkompetenzen und -kapazitäten ausgestattet sein müssen, um diese Defizite in den Elternhäusern ausgleichen zu helfen. Auch private Initiativen, z.B. über Kirchen- und Vereinsarbeit können - wie Berichte einzelner engagierter Unternehmerfrauen zeigen – wichtige Beiträge sein, um junge Menschen auf ihrem Weg zu begleiten. An dieser Stelle ist aus der Sicht der Politikerinnen auch die Zivilgesellschaft gefordert, nicht alles kann von der Politik gelöst werden. Auch über Mentoringprogramme oder Patenschaften können junge Menschen stärker begleitet und Ausbildungsabbrüche vermieden werden.

Schließlich muss zudem auch berücksichtigt werden, dass der aus der Sicht vieler Eltern scheinbar beste Weg für ihr Kind über das Gymnasium nicht immer der tatsächlich beste ist. Für viele junge Menschen, die sich in den Gymnasien und Universitäten schwer tun und ihr Studium gegebenenfalls nicht zu Ende führen, wäre eine Ausbildung im Handwerk der bessere Weg gewesen. Die Ausbildung im Handwerk bietet viele Chancen bis hin zur Selbständigkeit oder auch zum Hochschulstudium. Dieses muss auch in der Elternberatung deutlich hervorgehoben werden, fordern die Handwerksfrauen.

Nach der Veranstaltung setzten sich rege Diskussionen bei einem gemeinsamen Imbiss fort.